Kunst muss wehtun! (DE)

Das Leben im Speziellen und im Allgemeinen:

Ein ganz klein wenig fühlte man sich schon an Hape Kerkelings legendäres “Der Wolf – Das Schaf – Huuurz!” erinnert, als der Höhepunkt des diesjährigen und durchaus ernst zu nehmenden Avant Art Festivals seinen schicksalhaften Verkauf nahm.

Ein Saal voller ganz offensichtlich unglaublich kulturversessener Mitmenschen aller Stile und Geschmacksrichtungen, na ja, fast aller, war ganz in Erwartung des Stars des Abends, wenn nicht des Festivals. So zumindest hatte ihn die geschätzte Kolumnistin der größten Tageszeitung in der Wochenendbeilage jedenfalls vollmundig und landesweit angekündigt. Dementsprechend minimalistisch war die Bühne ausgeleuchtet, drei Lichtkegel erhellten den Platz, den Madame später zu betreten gedachte. Am Rand ein mir Elektronik vollgepacktes Pult, links darauf das scheinbar unvermeidliche MacBook (Pro). Ansonsten noch recht viele andere Gerätschaften der später auftretenden Bands auf der restliche Fläche der Bühne verteilt.

Was fehlte war Madame, unser Star des Abends. Erste zaghafte versuche, sie auf die Bühne zu klatschen versandeten schon in den Anfängen. Und irgendwann kam sie dann doch. Blickte müde und gönnerhaft lächelnd in die Runde. Stille. Man gönnte sich erst einmal einen dezenten Schluck aus der selbst mitgebrachten Wasserflasche. Immer noch nichts. Hier einen Regler gedreht, das Mikro ausgerichtet. Stille kann ist auch ein Geräusch sein. Endlich nähert sich Madame dem Mikrophon und beginnt. Sie summt etwas, macht eine Endlosschleife daraus und fügt immer mehr Geräusche hinzu. Mit Musik hat das leider eher wenig zu tun. Aber was tun man nicht alles, um Avantgarde zu sein. Und für sich genommen ist die Idee ja auch gar nicht mal so schlecht. Nur dummerweise ist auch unglaublich laut und nicht wirklich gut anzuhören. Schmerz, das ist die intensivste Erfahrung, die man während dieser Performance machen konnte (oder musste). Aber was tut man nicht alles für den Genuss der Kunst?!

Nach einer Stunde ist das Geschrammel endlich vorbei. Glücklich überlebt zu haben stürmen wir nach draußen, die gnädige Zugabe von Madame geflissentlich ignorierend. Da kann man dreimal Maja Ratkje heißen – erst als uns der Straßenlärm der Hauptverkehrsstraße wieder in seine dunstigen Arme schließt hören wir die Musik …

Philipp, 2010-09-26

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