Schuhcreme mit Milch (DE)

from derStandard.at 05.11.2009

Ob Astrid Lindgren jemals geahnt hat, dass der Einfluss ihres Werks bis in experimentelle Improvisationsmusikkreise reicht? Fest steht, dass einst im fernen Oslo vier junge Musikerinnen zum Schluss kamen, Pippi Langstrumpfs berühmteste Wortschöpfung eigne sich auch als Band-Name: Spunk, das Wort für jene rätselhafte Krankheit, die einen ereilt, wenn man einen Teller Schuhcreme mit Milch isst.

“Pippi Langstrumpf erfindet das Wort ‘Spunk’ – und dann geht sie hinaus und sucht es, weil sie nicht weiß, was es ist. Das tun wir auch: Wir wissen nicht, was wir suchen. Aber der Suchprozess führt uns immer weiter.” So erklärte Maja Solveig Kjelstrup Ratkje im Standard- Gespräch, wie das frisch-freche norwegische Damen-Quartett Mitte der 90er-Jahre zu seinem Namen kam. Spunk, das ist der Name für die abenteuerlichen, frei improvisierten Terrainerkundungen Ratkjes mit Hild Sofie Tafjord, Lene Grenager und Kristin Andersen.

Spunk ist auch eine Chiffre für die freigeistige musikalische Persönlichkeit Maja Ratkjes schlechthin: Die 35-jährige Norwegerin hat in der Begegnung mit Klaus Huber und Sofia Gubaidulina ebenso wichtige Anregungen erfahren wie in der Improvisationsmusik. Stimme und Elektronik kristallisierten sich für die auch klavier- und violineerfahrene Musikerin als zentrale performative Betätigungsfelder heraus, deren Synergien sie im Rahmen ihrer ersten Solo-CD Voice 2002 in aufsehenerregender Weise nützte. Dieser Tätigkeit stehen Auftragskompositionen u. a. für die Oslo Sinfonietta und das Klangforum Wien gegenüber.

An dieser starken Frau konnte auch Ikue Mori bei der Programmierung des Welser Unlimited-Festivals 2009 nicht vorbei. Ratkje wird nicht nur mit Spunk zu erleben sein, sondern auch als Akteurin im Rahmen der Wels Operations von John Zorns Cobra-Projekt und im Phantom Orchard Orchestra. Ohren auf!

(Andreas Felber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2009)

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